Jeder, der erotische Literatur schreibt, kann eines bestätigen: Es ist unglaublich intensiv, es ist sehr erregend, es ist Leidenschaft. Daher tun wir das. In diesem Artikel soll es einmal darum gehen, wie das Schreiben für uns Autoren ist – sowohl das für uns allein, als auch das wechselseitige, das Schreiben für jemanden, als auch das physisch gemeinsame schreiben.
André: ich schreibe nun schon seit 1997, davon die letzten 25 Jahre auch überwiegend erotische Literatur. Das sehr umfangreiche Hineindenken in das jeweilige Werk, an dem ich gerade schreibe, ist, wie in der Einleitung bereits gesagt, äußerst intensiv. Auch wenn ich bei den meisten Geschichten auf erlebte Erfahrungen zurückgreife, ist es doch auch so, dass man sich so mitunter mit neuen Themen beschäftigt, die man reell noch nicht kennt. Ähnlich wie ein Krimiautor (vermutlich) kein Mörder ist, bin auch ich noch nicht in alle Extrembereiche vorgedrungen, die ich in manchen Geschichten bereits angeschnitten habe. Durch dieses Auseinandersetzen mit manchen Themen wird man immer wieder aufs neue neugierig. Mitunter auch, weil man gewisse Erfahrungen machen möchte, um dann adäquat darüber schreiben zu können.
Jetzt aber einmal zum Thema »gemeinsames Schreiben«. In den nunmehr 20 Jahren, in denen ich – mit einigen längeren Unterbrechungen – mit Bianca schreibe, ist es sehr anregend den wechselseitigen Austausch zu haben, sich einander Inspiration zu geben, sich auszutauschen, ja manchmal sogar über Themen zu diskutieren und zu philosophieren. Es ist aufregend manche ihrer Geschichten als Erstes zu lesen und ihr manchmal noch die eine oder andere Anregung zu geben. Dabei war das Buchprojekt „Wenn die Frühlingsgefühle zuschlagen“ besonders interessant, da wir immer abwechselnd geschrieben haben – jeder aus der Sicht eines der beiden Protagonisten. Mal mit vorher abgesprochener Handlung als Leitfaden, aber auch mal einfach so, dass jeder aus dem Abschnitt, den der Andere geschrieben hat, etwas gemacht hat. Dies führte zu einer sehr erfrischenden, anderen Art von Buch.
Noch besser ist es jedoch daraus manchmal Ideen fürs reelle Sexleben mitzunehmen. In meinen letzten beiden Langzeitbeziehungen, und dem, was dazwischen noch so war, haben meine damaligen Partnerinnen auch hin und wieder die eine oder andere Geschichte zum Lesen bekommen. Sie fanden es stets sehr erregend, meine Texte zu lesen. Die dadurch entstandene Lust oder die darin eingebrachten Ideen führten dabei gelegentlich zu heißen Momenten, in denen das eine oder andere Umgesetzt wurde. Und die dann wiederum gewonnenen neuen Erfahrungen flossen in die nächsten Geschichten ein. Eine Lust-steigernde Spirale, wenn man so will.
Noch eine Ebene höher, als die Zusammenarbeit mit Bianca, ist das gemeinsame Schreiben mit unserer Gastautorin Blue_eye786, da wir zum Teil auch physisch zusammen schreiben. Und das macht besonders viel Spaß! Beisammensitzen mit einem Glas Wein, sich die Handlungen ausdenken und diese dann „zu Papier“ bringen, hat wirklich etwas. Es ist definitiv eine Bereicherung! Etwas Derartiges als ein gemeinsames Hobby in einer Beziehung zu betreiben, kann ich sehr empfehlen, denn das gemeinsame schreiben bringt die Fantasie und die Libido ganz schön in Wallung.
Bianca: Als ich André vor über 20 Jahren kennenlernte, war es mein Wunsch, dass er ein paar Geschichten für mich schreibt, denn ich empfand das Lesen dieser als äußerst erregend! Gern wollte ich dabei Geschichten lesen, deren Handlungen in meine Interessensrichtung gingen. Nach einigen Geschichten bewegte er mich dazu, diese weiterzuschreiben bzw. dass ich mich mal mit einer Geschichte revanchiere. Ich hatte zugegeben keine Ahnung vom schreiben erotischer Geschichten, geschweige denn die Gabe mir detaillierte Handlungen auszudenken. Aber er hatte in mir die Faszination geweckt, Fantasien oder auch Erlebnisse schriftstellerisch festzuhalten. Mit seiner Unterstützung wagte ich mich also daran. So entstand damals die Geschichte „Böses Mädchen“, die in unserem ersten gemeinsamen Buch „Wenn die Frühlingsgefühle zuschlagen“ als Bonusgeschichte, etwas nachbearbeitet, mitveröffentlicht ist. Von den Herausforderungen des Schreibens einmal abgesehen merkte ich schnell, dass es mich stets enorm erregte gewisse Handlungen zu schreiben. Wenn ich André meine Werke schicke, gaben mir das Feedback (wie sehr es ihn ebenfalls erregte diese zu lesen) einen weiteren Boost. So gab ich diese dann bald auch meinem Freund und späteren Mann zu lesen. Anfangs war mir das zwar ziemlich peinlich, doch als ich seine Reaktion darauf erlebte und wie es das Sexleben unserer Beziehung vom Level mild auf ultra scharf anhob, hatte es in mir so richtig das Feuer entfacht. Bei den Geschichten, an denen wir im Laufe der Zeit im Wechsel oder gemeinsam schrieben versuchten wir immer weitere, neue Horizonte zu erreichen. Haben immer ausgefallener, bizarrer, wagemutiger geschrieben, was sich in meinem Sexleben begann zu widerspiegeln und das wiederum gab Inspiration zum Schreiben. Unterm Strich kann ich sagen, hat das Schreiben meine Fantasie beflügelt und damit Sexleben und meine Ehe extrem bereichert! Seit im Sommer 2023 unsere Zusammenarbeit nach längerer Pause wieder aufgeflammt ist, kommt es häufig vor, dass ich Abends mit meinem Mann auf dem Sofa sitze, an Geschichten oder Beiträgen für diese Webseite arbeite. Dabei erzähle ich ihm davon oder ihn um Rat frage und meist endet es in einer Schreibpause, weil es mich so sehr erregt, dass ich mich erst einmal mit ihm abreagieren muss.
Von daher kann ich das erotische Schreiben jedem nur wärmstens empfehlen, zumal man etwas erschafft, an dem am Ende noch ganz andere Ihre Freude haben können. Und was gibt es Schöneres, als Freude zu bereiten?!
Blue_eye786: Nach einer sehr konservativen, jahrelangen Ehe, durfte ich nach dem Schlussstrich endlich eine neue wundervolle Bekanntschaft kennenlernen und mit ihm in eine Sexwelt eintauchen, die ich bis dahin weder erfahren hatte, geschweige denn überhaupt kannte. Diese vielen neuen Erfahrungen wollte ich nie wieder vergessen. Jedes noch so kleine Detail sollte genauso präsent bleiben, wie ich es am Abend davor erlebte. Im Schreiben konnte ich genau in diese Detailtiefe gehen, die, wie bei Filmen, nie so herüberkommt, als wenn man das Buch gelesen hatte. In den Geschichten habe ich mich absolut verloren und durchlebte den Akt noch einmal. Diese Erregung, die mich dabei überkam, lies mich in Geschichte zusätzlich unerfahrene Szenen hinein fantasieren und damit intensiver in die Tiefe gehen.
Extrem reizend empfinde ich es auch zusammen an einer Geschichte zu schreiben, sei es, ob es wirklich so erlebt wurde und man dabei alles noch einmal Revue passieren lässt oder den Fantasien und Wünschen freien Lauf gelassen wird. (Dabei ist ein interessanter Punkt auch die Kommunikation zwischen den Zeilen – es ist für den Anderen ein Segen zu wissen bzw. in dem Moment zu erfahren, wie es die andere Person alles erlebt hat – in dessen Wahrnehmung und mit dessen Gefühlen.)
Diese intimen Geschichten hier auf der Seite mit der Welt zu teilen, ist mir ein absolutes Vergnügen und macht mich etwas stolz. Persönlich würde ich selbst gern solche Geschichten immer und immer wieder lesen.